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Neuer Dekan an der Fakultät für Physik Drucken
Sunday, 01 March 2009
Mit 1. März 2009 hat die Fakultät für Physik einen neuen Dekan. Prof. Christoph Dellago übernimmt die Position von Prof. Zeilinger, der kürzlich überraschend zurück getreten ist, um sich wieder mehr der Forschung zu widmen.
Aus diesem Grund hat sich die Redaktion des AGent NaWi entschieden, ein Interview mit dem neuen Dekan zu führen.

Sehr geehrter Prof. Dellago, ab 1. März sind Sie offiziell der Dekan der Fakultät für Physik. Für viele kommt der Wechsel überraschend – für Sie auch?
Ja, es war sehr überraschend. Ich bin zwar bereits seit 2008 Vizedekan und habe auch damit gerechnet, die Position des Dekans eines Tages zu übernehmen, jedoch nicht zu einem so frühen Zeitpunkt. Dekan Zeilinger hat sein Amt aber nun zurückgelegt und es hat sich die Frage ergeben, wer für Ihn übernimmt. Da ich ebenfalls auf dem letzen Dreiervorschlag war, ist der Rektor an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich diese Position übernehmen möchte. Nach reichlicher Überlegung habe ich letztendlich zugestimmt.

Sie treten in die Fußstapfen von Prof. Zeilinger, der sich in der Öffentlichkeit großer Berühmtheit erfreut. Wie sehen sie die Leistungen ihres Vorgängers als Dekan?
Ich denke, ich muss Dekan Zeilinger hier Rosen streuen. Meiner Meinung nach hat Anton Zeilinger zahlreiche hervorragende Veränderungen bewirkt, wie zum Beispiel die Abschaffung der Institute und die Einführung der Arbeitsgruppen. Ich schätze auch sehr die Art, in der Dekan Zeilinger die Dinge angepackt hat und wünsche mir, dass ich wie er in der Lage sein werde proaktiv zu agieren, statt nur zu reagieren. Es ist auch zu erwähnen, dass trotz Krise bei uns zur Zeit sechs Berufungsverfahren laufen, was ebenfalls ein großes Verdienst von Anton Zeilinger ist.

Wird es in naher Zukunft zu großen Veränderungen kommen?
Wir haben wie gesagt sechs Professuren ausgeschrieben. Diese ordentlich durchzuführen und anschließend auch die geeigneten Rahmenbedingungen für die neuen Professorinnen und Professoren zu schaffen ist sicherlich die größte Veränderung, die jetzt auf uns zukommt.
Eine weitere Veränderung ist die Einführung des neuen Doktoratsstudiums, das bereits ab Herbst implementiert sein soll. Was das Grundstudium betrifft, hatten wir ja kürzlich die große Umstellung von Diplom auf Bachelor/Master. Dort habe ich nicht vor große, Veränderungen vorzunehmen. Ich denke es ist hier besser abzuwarten und zu sehen, wie es sich entwickelt und nur hier und da an gewissen Rädchen zu drehen, um etwas nachzubessern.

Wer wird neuer Vizedekan?
Wir hatten ja bisher zwei Vizedekane: Regina Hitzenberger und mich. Wegen des großen Aufwands, der unter Anderem wegen der sechs Berufungskommissionen auf uns zukommt habe ich wieder zwei Personen gebeten, diese Position zu übernehmen. Dies wird Regina Hitzenberger sein und Anton Zeilinger hat sich ebenfalls bereit erklärt, als Vizedekan zur Verfügung zu stehen.

Demnächst werden die ersten Bachelorarbeiten begonnen – wie soll Ihrer Meinung nach eine Bachelorarbeit aussehen?
Das ist eine sehr wichtige Frage. Meiner Meinung nach soll die Bachelorarbeit in der Größenordnung eines erweiterten Praktikumsprotokolls oder einer erweiterten Seminararbeit ausfallen. Im Studienplan sind ja 5 ECTS dafür vorgesehen, was bei vorgesehenen 30 ECTS pro Semester also dem Sechstel eines Semesters entspricht. Das bedeutet, dass maximal ein Monat dafür aufgewendet werden sollte. Keinesfalls sollte die Bachelorarbeit in eine Diplomarbeit geschweige denn eine Dissertation ausarten und ein Semester oder mehr in Anspruch nehmen. Es muss hier nicht eine eigene wissenschaftliche Leistung erbracht werden, es reicht eine Literaturrecherche oder Ähnliches.

Was halten Sie von studentischer Mitbestimmung in universitären Gremien?
Sehr viel! Es ist sehr wichtig, dass bei Entscheidungen so viele verschiedene Standpunkte wie möglich vertreten sind. Als Professor habe ich eine ganz andere Sicht auf die Dinge, als die Studierenden und ich kann deren Probleme auch nicht so gut einschätzen. Es ist wichtig, dass die Studierenden ihre Stimme erheben können und natürlich auch, dass sie über alle Vorgänge aus erster Hand informiert sind. Ich hoffe sehr, dass diese Mitbestimmung auch in Zukunft aktiv von den Studierenden wahrgenommen wird.

Kürzlich wurde bekannt, dass vom Rektorat die Mittel für das eLearning-Wiki gestrichen wurden. Gibt es Pläne, dieses Projekt aus dem Fakultäts-Budget weiter zu finanzieren?
Das ist nicht ganz richtig. Das eLeaning-Wiki war von vornhinein nur als Projekt mit begrenzter Laufdauer vorgesehen, nach den drei Jahren läuft nun Finanzierung von Seiten des Rektorats aus. Es wurde versucht zu verlängern, es ist aber leider nicht gelungen. Wir konnten dennoch für eine Zwischenfinanzierung sorgen, wenn auch nicht im vollen Ausmaß des ursprünglichen Budgets.
Meiner Meinung nach sollten wir dieses Projekt aber keinesfalls auslaufen lassen, da es sich für Lehrende und Studierende sehr bewährt hat und wir bemühen uns, die nötigen finanziellen Mittel dafür aufzubringen. Für die Fakultät wäre es schwierig, aber das Rektorat muss hier denke ich einsehen, dass es eine gute Sache ist. Es kann ja nicht einerseits verstärktes eLearning fordern und dann keine Mittel zur Verfügung stellen. Ich bin optimistisch, dass wir in der Lage sein werden, dieses Projekt in irgendeiner Form weiter zu führen.

Viele haben Probleme, mit den Vorlesungs-Übungen. Werden diese negativ beurteilt, müssen die Studenten immer ein Jahr warten, bis sie diese wiederholen können. Wäre es für Sie vorstellbar, geblockte Übungen in den Ferienmonaten anzubieten?
Was das betrifft bin ich sehr skeptisch. Die Ferienmonate sind ja kein Urlaub, sondern vorlesungsfreie Zeit, die von den Fakultätsmitgliedern genutzt wird, um sich verstärkt der Forschung zu widmen. Wie die Lehre gehört eben auch die Forschung zu den Aufgaben der Fakultät und ich möchte die Zeit, die dafür zur Verfügung steht möglichst nicht beschneiden.
Sicher bin ich bereit, es in Betracht zu ziehen, es gibt auch jetzt schon Praktika, die in der vorlesungsfreien Zeit angeboten werden, aber das zum System zu machen möchte ich eigentlich nicht.

Die Physik schließt ihre Tore täglich bereits um 20 Uhr. Am UZA können die Studenten bis 22 Uhr lernen und die Räumlichkeiten für Tutorien nutzen. Würden Sie Dies auch an der Physik befürworten?
Ich persönlich würde es sehr begrüßen. Das Studierendenzentrum wurde ja gerade deshalb eingerichtet, damit die Studierenden in Gruppen zusammensitzen, lernen und Übungen gemeinsam machen können. Ich halte das für einen sehr wichtigen Aspekt im Physikstudium und wir als Fakultät sollten das fördern.
Ich kann Ihnen aber leider nichts versprechen, da ich mich über die genauen Regelungen erst informieren muss.

Welche Strategie wollen Sie in Forschung und Lehre verfolgen: Diversifizierung oder Spezialisierung?
Das ist nicht so einfach. Ich halte nichts davon uns nur auf einige wenige Gebiete zu beschränken, denn man muss aufpassen, dass man sich durch eine zu starke Spezialisierung nicht Chancen wegnimmt. Wir können und müssen aber auch nicht auf allen Gebieten eine kritische Masse haben, doch zumindest für die Lehre sollten wir schauen, dass wir für jedes zentrale Gebiet der Physik einen Experten im Haus haben.
Das Wichtigste ist, dass wir gute Leute nach Wien holen, die neue Wege gehen und auch noch in 10 Jahren gute Ideen haben.

Wo sehen Sie denn die Fakultät für Physik in 10-15 Jahren?
Das ist schwierig. Ziel ist es natürlich, die Fakultät zu einem internationalen Zentrum für Physik auszubauen. Wir haben bereits sehr gute Gruppen und ich hoffe, dass durch die neuen Kollegen, die dazu kommen, die internationale Sichtbarkeit der Physik in Wien erhöht wird und wir auch konkurrenzfähiger werden. In Zukunft werden die Universitäten sicher in einen stärkeren Wettbewerb treten. Studierende werden ihre Universität danach auswählen, was sie bietet.
Ich empfehle das auch wirklich allen Studierenden: schauen Sie sich die verschiedenen Universitäten an, wo gibt es die beste Lehre, wo die bekanntesten Leute und wo die beste Forschung. Entscheiden Sie sich nicht für eine Universität, weil sie an der nächsten Ecke liegt, sondern weil sie zum Beispiel das beste Bachelorstudium hat.
Unter diesem Aspekt ist es also wirklich wichtig, dass wir uns in Zukunft zu einem führenden Standort für Physik entwickeln, um die besten Studierenden zu bekommen.

Ich danke Ihnen für das Interview, Hr. Prof. Dellago.


Das Interview führte Arno Kompatscher.
 
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